Die Jugendarbeitslosigkeit ist in Linz-Stadt besonders dramatisch: Mit 2.247 Jugendlichen bis 24 Jahre, die entweder in Schulung (889) oder arbeitslos (1.358) waren, erreichte sie Ende Februar in der Landeshauptstadt einen neuen Höchststand. Gerade hier zeigt sich auch die besondere Brisanz von geringer Qualifikation: 69 Prozent der Jugendlichen, die auf Jobsuche sind (also 1.545), haben nur einen Pflichtschulabschluss oder nicht einmal einen solchen.

Wobei sich die Problemlage bei Jugendlichen mit maximal einem Pflichtschulabschluss im vergangenen Jahr weiter verschärft hat: Von Februar 2014 bis Februar 2015 erhöhte sich die Zahl der arbeitslosen oder in Schulung befindlichen Jugendlichen mit maximal einem Pflichtschulabschluss um 147 Jugendliche beziehungsweise 10,4 Prozent.

Es zeigt sich also, dass trotz der wirtschaftlichen Stärke von Linz als Arbeitsplatzzentrum für die ganze Region insbesondere die Anzahl von jungen Menschen, die weder im Bildungs- noch im Erwerbssystem integriert sind, höher ist als im ländlichen Raum. Damit ist die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Linz sowohl eine wirtschaftliche als auch eine soziale Herausforderung.

Aufgrund der demographischen Entwicklung und dem zunehmenden Fachkräftebedarf der Wirtschaft in Oberösterreich muss die Devise gelten, so wenige junge Menschen ohne entsprechende Qualifizierung in den Arbeitsmarkt zu entlassen. Daher setzt das Land auch im Bereich der Jugendlichen auf aktive Arbeitsmarktpolitik: Im Rahmen des „Paktes für Arbeit und Qualifizierung“ werden heuer in Oberösterreich in die Qualifizierung und Beschäftigung von Jugendlichen 47 Mio. Euro investiert (von AMS OÖ, Land und Sozialministerium-Service ). Damit können rund 13.700 Jugendliche unterstützt werden. Somit kann auch 2015 wieder die Erfüllung der Ausbildungsgarantie für Jugendliche im Alter zwischen 15 und 18 Jahren gesichert werden: Jeder ausbildungswillige Jugendliche in Oberösterreich hat die Sicherheit, auch eine Ausbildung absolvieren zu können.

Auswirkungen von Jugendarbeitslosigkeit

Arbeitslosigkeit im Generellen, aber vor allem bei Jugendlichen, hat weitreichende negative Folgen für die Betroffenen sowie die Gesellschaft. Gerade in frühen Jahren handelt es sich um einen sehr sensiblen Lebensabschnitt, der der Identitätsfindung und der Sozialisation des jungen Menschen dient. Insbesondere der Beruf prägt in diesen Jahren besonders. Dementsprechend negative Auswirkungen auf den Jugendlichen hat auch die (längerfristige) Arbeitslosigkeit: Eine verringerte Lebens- und Arbeitszufriedenheit, ein fortlaufend erhöhtes Risiko der Arbeitslosigkeit, ein schlechterer Gesundheitszustand, etc. sind oftmals die Folgen.

Neben den individuellen Problemfeldern und Schicksalen entstehen wesentliche Kosten für die öffentliche Hand; samt entsprechender volkswirtschaftlicher Auswirkungen. Auch politische und soziale Risiken, die mit einer anhaltend hohen Jugendarbeitslosigkeit einhergehen können, sollen nicht unerwähnt bleiben. Denn junge Menschen, deren Probleme nicht gelöst werden, entwickeln keine Perspektiven und wenden sich oftmals vom System ab.

Zielsetzung von „Meine Zukunftswerkstatt“

Die Auswertung der regionalen AMS-Daten zeigt, dass insbesondere in Linz junge Menschen mit schlechter Ausbildung und mit Migrationshintergrund von der grassierenden Arbeitslosigkeit betroffen sind. Diesen jungen Menschen muss wieder eine Perspektive aufgezeigt werden. Das neue Angebot der Ars Electronica richtet sich an Jugendliche in Ausbildungsprojekten. Es werden die folgenden Zielsetzungen verfolgt:

  • „Die Steigerung des eigenen Selbstwerts“ – Die Teilnehmer entdecken durch Ausprobieren eigene Fähigkeiten und Talente, die ihnen bisher verborgen waren bzw. erscheinen ihnen einige eigene Kompetenzen in einem anderen, positiveren Licht.
  • „Der Blick über den eigenen Tellerrand“ – Die Teilnehmer lernen noch weitgehend offene Arbeitsfelder, unkonventionelle Arbeitsbiografien und neue Berufe bzw. Tätigkeiten kennen.
  • „Die Entwicklung persönlicher Zielvorstellungen“ – Die Teilnehmer lernen interessante Betätigungsmöglichkeiten kennen, die sich mit den eigenen Interessen decken. Es soll damit die Motivation geweckt werden, sich entsprechendes Wissen und die Fähigkeiten anzueignen, um auf diesem Feld handlungsfähig zu werden.

Bis zu zwanzig Jugendliche werden en bloc eine Woche lang die „Zukunftswerkstatt“ besuchen. Bei sechs Durchgängen im Jahr können demnach 120 Jugendliche das Angebot in Anspruch nehmen. Die Kooperationsvereinbarung zwischen Land und der Ars Electronica Linz GmbH läuft für die Dauer von zwei Jahren, in denen in Summe 240 Jugendliche an der Zukunftswerkstatt teilnehmen können.

Konzeption/Ablauf des Projektes

Nach einer Vorstellrunde erarbeiten alle Teilnehmer einen digitalen Steckbrief mit Bild, in dem sie ihre besonderen Fähigkeiten und Interessen darstellen. Sie werden eine Woche gemeinsam im Ars Electronica Center verbringen und sollen zu einer Gruppe werden. Von Anfang an wird viel Zeit in den Teamspirit und das Teambuilding investiert. Auf jede Sequenz folgt eine Blitzlichtrunde, um der Reflexion ausreichend Zeit zu widmen.

Im Sinne des Begriffs „Zukunftswerkstatt“ werden auch die Themenbereiche „Industrie 4.0“ und „Internet of Things“ in der Programmgestaltung berücksichtigt.

Phase 1 „Mutmachen“

Per Videobotschaft erzählen erfolgreiche Menschen mit autodikatischem Hintergrund von ihren unkonventionellen Job-Biografien. Beispielsweise Jeremiah Diephuis oder Robert Praxmarer aus dem Bereich Gaming, MC Flip alias Philipp Kroll oder Huckey alias Harald Renner von der renommierten Hip-Hop-Truppe „Texta“ und jemand wie Felicitas Egger – die Erfinderin der Nähküche, einer offenen Nähwerkstatt. Auch Mitarbeiter der Ars Electronica Linz GmbH, beispielsweise aus dem FutureLab, kommen zu Wort.

Dabei wird vermittelt, dass nicht nur formale Bildungswege, sondern auch Leidenschaft und von Eigeninteresse geleitetes Lernen im Versuch-und-Irrtum-Modus ans Ziel führen können.

Persönliche Logfiles

Während der Woche führt jeder Teilnehmer einen eigenen Online-Blog. Darin werden die gemachten Erfahrungen festgehalten und das Erlebte bzw. Gelernte bewertet und eingeordnet. Dieser maßgeschneiderte Blog ist das „logfile“ zur gesamten Woche und dient am Ende als Sammlung und Dokumentation des gesamten Prozesses. Dieses Ergebnis steht allen Teilnehmern auch langfristig als Plattform zur Verfügung; es kann beispielsweise als Portfolio weiter befüllt und bei Vorstellungsgesprächen als Referenz dienen.

Dabei wird das Ziel verfolgt, Medienkompetenz zu gewinnen, Erlebtes zu reflektieren und ein greifbares Erfolgserlebnis zu haben.

Phase 2 „Ausprobieren“

In den Laboratorien des Ars Electronica Centers lernen die Teilnehmer verschiedene neue zukunftsträchtige Arbeitsfelder kennen. Sie bekommen vermittelt, welche Jobs mit den einzelnen Laboratorien zu tun haben. Im Fall des SoundLab wären das beispielsweise: DJ, MC, ‚Kunstmusiker‘, Komponist für Film/Games, Sounddesigner für Film/Hörbuch/Hörspiel/Werbung, Radiomacher, Ton/Studiotechniker, Musikproduzent etc.

In den Laboratorien gilt es nach einem fachlichen Input, sich selbstorganisiert zu wechselnden Teams von vier bis fünf Personen zusammenzuschließen. Jedes Team bekommt im Sinne eines „JAMs“ eine Aufgabe gestellt, die es gemeinsam, innerhalb eines definierten Zeitfensters zu lösen gilt. Jedes Team-Mitglied übernimmt spezielle Aufgaben, die für die Umsetzung entscheidend sind. Was zur Lösung der Aufgabe notwendig ist, erarbeiten die Teilnehmer so weit wie möglich selbst, indem sie eigenständig recherchieren und sich aneignen, was sie zur Problemlösung brauchen. Am Ende jeder Übung erfolgt es eine Präsentation. Bei der Umsetzung stehen Infotrainer des AEC zur Seite.

Die Zielsetzung ist dabei, Kompetenzen und Erfahrungen zu erlangen, bisher unentdeckte eigene Begabungen kennen zu lernen, Erfahrung in der Teamarbeit zu sammeln und selbständig Problemlösungsstrategien zu erarbeiten.

Phase 3 „Persönliche Ziele entwickeln“

In den letzten eineinhalb Tagen wenden sich die Teilnehmer der Entwicklung möglicher neuer persönlicher Ziele zu:

  • Welche Übungen haben mir am meisten zugesagt?
  • Welche „Role Models“ aus der Phase haben mich inspiriert?
  • Was ist mir besonders leicht gefallen? Was hat mir die meiste Freude gemacht? Worauf habe ich mich am leichtesten konzentrieren können? Was war mein größtes Erfolgserlebnis?
  • Welches der im Laufe der Woche besuchten Arbeitsfelder habe ich am spannendsten gefunden?
  • Kann ich schon einen speziellen Job benennen, den ich auf diesem Feld interessant finde?
  • Was davon bringe ich bereits mit? Was fehlt mir noch dazu?
  • Wo kann ich das Wissen erwerben bzw. die Erfahrungen machen, die mir noch abgehen?
  • Was kann ich hier alleine tun? Wobei brauche ich die Hilfe anderer?
  • Wenn ich mir ganz frei ohne Rücksicht auf Geldverdienenmüssen einen Job/eine Arbeit/einen Beruf aussuchen könnte: Was würde ich dann tun?

Das Ergebnis dieser Reflexion wird einerseits verschriftlicht und andererseits von jedem Teilnehmer einem Produkt (dazu stehen alle Möglichkeiten der AEC-Labors zur Verfügung: FabLab, BioLab, SoundLab, …) festgehalten.